Bakteriengift gegen Krebs


Darmkeim soll Krebszellen zerstören
Bakteriengift gegen Krebs

Ein Lebensmittelkeim könnte zukünftig die Therapiemöglichkeiten gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs verbessern. Er zerstört Tumorzellen ohne die gesunden Zellen der Bauchspeicheldrüse anzugreifen, wie die Deutsche Krebshilfe berichtet.

Neue Therapieoptionen dringend gesucht

Rund 17.400 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs, einem äußerst aggressiven Tumor. Meistens wird die Erkrankung erst spät bemerkt und nur wenige Patienten überleben die Diagnose länger als ein Jahr. Der Tumor breitet sich schnell aus, verstreut Kolonien in anderen Organen und ist gegenüber gängigen Therapien weitgehend unempfindlich.

Forscher suchen deshalb nach neuen Behandlungsansätzen. Wissenschaftler der Berliner Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch untersuchen derzeit die Wirksamkeit des Darmkeims Clostridium perfringens gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Forschungsprojekt wird von der Deutschen Krebshilfe mit 240.000 Euro gefördert.

Keim durchlöchert die Zellenhülle

Das Bakterium Clostridium perfringens findet sich vor allem in verdorbenen Fleischwaren. Isst ein Mensch ein damit belastetes Lebensmittel, droht eine Lebensmittelvergiftung mit Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Ursache für die Symptome ist ein spezieller Giftstoff, den der Keim absondert – das sogenannte Clostridium perfringens Enterotoxin. Der Giftstoff heftet sich an zwei Moleküle auf der Oberfläche von Zellen der Darmschleimhaut und beginnt, die Hülle der Zelle zu durchlöchern. Mit verheerenden Folgen: Die schwer beschädigte Zelle stirbt ab.

Die Krebszellen vergiften

Die beiden Moleküle, die dem Giftstoff das Anheften ermöglichen, nennen sich Claudin-3 und Claudin-4. Ebenso wie Darmzellen besitzen auch Tumorzellen der Bauchspeicheldrüse große Mengen von Claudin-3 und Claudin-4 auf ihrer Oberfläche. „Somit sind diese Krebszellen ein perfektes Ziel für das Enterotoxin. Es erkennt die Claudine auf den Tumorzellen und greift an“, erläutert der Studienleiter Professor Dr. Wolfgang Walther. „Genau wie Darmschleimhautzellen bei einer Lebensmittelvergiftung werden die Tumorzellen perforiert und zerstört.“

Keine Schäden für gesunde Zellen

Derzeit überprüfen die Wissenschaftler ihre Theorie im Labor. Per nadelloser Hochdruckinjektion schießen die Forscher den genetischen Bauplan für das Enterotoxin direkt in das Tumorgewebe. „Das Clostridium perfringens Enterotoxin wird so direkt vor Ort hergestellt. Für gesunde Zellen der Bauchspeicheldrüse ist das ungefährlich, da diese kein Claudin-3 oder Claudin-4 auf ihrer Oberfläche ausbilden“, berichtet Walther. „Erweist sich unser Therapieansatz als erfolgreich, haben wir eine schlagkräftige Waffe gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs an der Hand“, hofft Walther.

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