Quälendes Klingeln im Ohr


Internet-Therapie gegen Tinnitus
Quälendes Klingeln im Ohr

Es pocht, pfeift oder rauscht im Ohr: Jeder zehnte Erwachsene litt schon einmal unter Tinnitus. Bei den meisten verschwindet er wieder. Zwei Prozent der Bevölkerung leidet jedoch an einem dauerhaften Tinnitus. In einer deutsch-schwedischen Studie testeten Betroffene Therapien, die ihnen helfen sollen. Eine Internet-Therapie zeigte großen Erfolg.

Gehirn produziert Dauergeräusch

Tinnitus entsteht oft infolge eines Hörsturzes, extremer Lärmeinwirkung oder Erkrankungen im Ohr. Das Hauptsymptom ist ein ständiges Geräusch im Ohr, zum Beispiel Pfeifen, Rauschen oder Summen. In seltenen Fällen handelt es sich bei Tinnitus um eine gefährliche Erkrankung. Betroffene leiden allerdings unter den Geräuschen, da diese oft nicht mehr verschwinden. Verschiedene Behandlungsmethoden zeigen Erfolg, wie eine ambulante Infusionstherapie. Auch eine Psychotherapie kann helfen.

In einer neuen Studie wollten Wissenschaftler verschiedene Verhaltenstherapien auf ihre Wirksamkeit prüfen. Den Schweregrad eines Tinnitus bestimmt man auf einer Skala von eins bis hundert. Dabei gibt es vier Abstufungen. Bis 30 Punkten spricht man von einem leichten Tinnitus und ab 60 Punkten von einem sehr schweren. Die Probanden der Studie litten im Durchschnitt an einem mittelschweren Tinnitus mit 40 Punkten. Über zehn Wochen hinweg testen sie eine Gruppentherapie, die Teilnahme an einem Online-Diskussionsforum und ein in Schweden entwickeltes internetbasiertes Behandlungsprogramm. Die Teilnehmer müssen sich dabei selbstständig und aktiv neue Bewältigungsstrategien aneignen.

Internet-Therapie senkt Schweregrad

Das Ergebnis: Der Tinnitus-Schweregrad der Teilnehmer in der Gruppentherapie sowie in der Internettherapie sank auf durchschnittlich 29 Punkte. Bei der Kontrollgruppe mit dem Online-Diskussionsforum änderte sich jedoch kaum etwas. Sie kamen auf lediglich 37 Punkte. „Die Tinnitusbelastung konnte mit unserer Internet-Therapie sehr wirksam gesenkt werden beziehungsweise Akzeptanz des Ohrgeräuschs wurde erhöht“, erklärt Maria Kleinstäuber von der Abteilung für Klinische Psychologie der schwedischen Universität.

Die Internettherapien könnten also zukünftig verstärkt in die verhaltenstherapeutische Versorgung von Tinnitus-Patienten einfließen. Da Tinnitus-Patienten langen Wartezeiten und einem mangelnden Therapie-Angebot gegenüber stehen, bietet sich die Internet-Therapie als sinnvolle Alternative an.

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