Therapie von Fettleibigkeit


Mehr chirurgische Eingriffe?
Therapie von Fettleibigkeit

Menschen mit Adipositas (Fettleibigkeit) werden in Deutschland oft nicht nach medizinisch-wissenschaftlichem Standard versorgt. Experten fordern ein Umdenken bei der Betrachtung und Behandlung der Adipositas.

Adipositas ist eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit – so zumindest definiert sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Eine wirksame Therapie sind chirurgische Maßnahmen zur Reduzierung des Übergewichts, etwa ein Magenbypass oder die Bildung eines Schlauchmagens. Ärzte empfehlen sie nur bei extremer, krankhafter Fettleibigkeit und nach Versagen oder nicht aussichtsreicher konservativer Therapie. Sie kommen nach aktuellen Leitlinien ab einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 40 in Frage, oder ab 35, sofern bereits schwere Folgeerkrankungen wie Diabetes vorliegen.

Chirurgische Eingriffe nur im Einzelfall

In Deutschland erfüllen diese Kriterien aktuell rund zwei Millionen Menschen. Adipositas-chirurgische Eingriffe wurden 2015 allerdings nur bei 9932 Betroffenen durchgeführt. Ein Grund: Sie werden hierzulande nur nach Einzelfallprüfung und unregelmäßig von den Krankenkassen übernommen. In westlichen Nachbarländern wie Frankreich, Belgien oder den Niederlanden liegen die Eingriffszahlen im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich höher.

Adipositas als Erkrankung sehen

„Hierzulande fehlt bedauerlicherweise die Einsicht, dass Adipositas eine Erkrankung ist und auch so behandelt werden muss“, meint Prof. Christoph-Thomas Germer, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Gerade bei extremer Fettleibigkeit scheiterten konservative Programme zur Gewichtsreduktion oft. „Bei einem BMI von 40 kg/m² und mehr wäre eine Gewichtsabnahme von mitunter 50 Kilogramm notwendig – dies ist durch Ernährungsumstellung und Bewegung nur im Ausnahmefall zu schaffen, selbst wenn diese Maßnahmen durch Ärzte und Ernährungstherapeuten begleitet werden“, erläutert Dr. med. Florian Seyfried, Oberarzt der Chirurgischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg. Die Betrachtung und Behandlung der stigmatisierten Erkrankung Adipositas müsse sich dringend ändern, damit mehr Patienten einen erforderlichen chirurgischen Eingriff angeboten bekommen, fordern die Mediziner.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

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