Schutz vor Atemwegsinfekten


Impfung spart Antibiotika
Schutz vor Atemwegsinfekten

Atemwegsinfekte zählen zu den häufigsten Erkrankungen von Kindern in Europa. Auslöser sind in vielen Fällen Bakterien namens Pneumokokken. Dann verschreibt der behandelnde Arzt meist ein Antibiotikum. Eine Studie aus den Niederlanden belegt nun: Impft man Säuglinge ab zwei Monaten routinemäßig gegen Pneumokokken, sinkt die Anzahl an Atemwegsinfekten und dadurch verordneter Antibiotika deutlich.

Von Impfungen profitieren alle Altersklassen

In den Niederlanden wurden in den Jahren 2006 und 2011 neue Impfstoffe gegen Pneumokokken eingeführt. Die niederländischen Ärzte impften damit routinemäßig alle Säuglinge ab zwei Monaten. Die Forscher werteten aus, wie viele Antibiotika Ärzte aufgrund von Atemwegsinfekten bei ein- bis neunjährigen Kindern vor und nach Einführung der Impfstoffe verordneten. Bis 2013 sank demnach die Anzahl an Verordnungen teils deutlich: nach Einführung des ersten Impfstoffs bei drei- und vierjährigen Kindern um bis zu 9 Prozent; nach Einführung des zweiten Impfstoff in allen Altersklassen, am stärksten bei den siebenjährigen Kindern mit 23,75 Prozent.

„Die Studie zeigt sehr schön, dass die zur Verfügung stehenden Pneumokokken-Impfstoffe Atemwegserkrankungen nicht nur bei den geimpften Kindern effektiv verhindern, sondern auch generell die Anzahl der kursierenden Pneumokokken-Erreger verringern, so dass alle Altersgruppen von diesem Schutzeffekt profitieren“, betont Dr. Andreas Hellmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Pneumologen (BdP).

Impfungen drosseln Antibiotikaverbrauch

Nach mehrjährigen Impfungen kommt es zu einer so genannten Herdenimmunität, die sich auch in einem geringeren Antibiotikaverbrauch niederschlägt. „Das ist natürlich erfreulich. Gerade im Hinblick auf die wachsende Notwendigkeit, den mitunter übermäßigen und teils zu unkritischen Einsatz von Antibiotika zu drosseln und diese – wo es möglich erscheint – einzusparen“, erläutert der Experte. Ein hoher Einsatz von Antibiotika begünstigt das Vorkommen von multiresistenten Keimen. Darunter versteht man Krankheitserreger, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken, da die Keime durch häufigen Kontakt mit Antibiotika eine Resistenz entwickelt haben. Vor allem in Krankenhäusern sind Antibiotikaresistenzen ein wachsendes Problem.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Pneumokokken-Impfung allen Menschen ab 60 Jahren sowie Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer chronischen Grunderkrankung oder Abwehrschwäche.

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